Essstörungen

Essstörungen

Essstörungen zählen zu den gefährlichsten psychischen Erkrankungen. Sie betreffen nicht nur das Essverhalten, sondern greifen tief in das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen ein. Dabei ist es hilfreich, Essstörungen als Phänomene auf einem Spektrum zu betrachten – von auffälligem Essverhalten bis hin zu klinisch relevanten Erkrankungen wie:

Anorexia nervosa (Magersucht)
Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)
Binge-Eating-Störung (wiederkehrende Essanfälle ohne Erbrechen)

Essstörungen haben viele Gesichter: Betroffene können untergewichtig, normalgewichtig oder übergewichtig sein. Das Gewicht allein sagt nichts über das Ausmass der seelischen Belastung oder den Schweregrad der Erkrankung aus. Zudem ist es möglich, dass sich eine Essstörung im Verlauf verändert und von einer Form in eine andere übergeht.

Die Folgen einer Essstörung können gravierend sein – körperlich wie seelisch. Dazu zählen u.a.:

Herzrhythmusstörungen, sehr tiefer Puls, Herzstillstand
Knochenschwund (Osteoporose)
ausbleibende Periode, Unfruchtbarkeit
Depressionen und Angststörungen
Soziale Isolation
Schul- und Ausbildungsabbrüche

Die Entstehung ist komplex und lässt sich am besten durch das bio-psycho-soziale Modell erklären. Demnach spielen genetische, psychologische und soziale Faktoren zusammen wie z. B.:

Familiäre Vorbelastung
Perfektionismus, geringes Selbstwertgefühl
Soziale Ideale und Schönheitsdruck
Belastende Lebensereignisse

Schätzungen zufolge leiden in westlichen Ländern etwa 1–2 % der Jugendlichen an Anorexia nervosa und rund 2–3 % an Bulimia nervosa. Die Binge-Eating-Störung tritt mit etwa 3–5 % am häufigsten auf. Anorexia nervosa weist die höchste Mortalitätsrate unter allen psychischen Erkrankungen auf, etwa 10% sterben an den Folgen.

Je früher eine Essstörung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Frühzeitige Interventionen – besonders im Jugendalter – sind daher zentral. Dennoch kann sich der Weg zur Genesung lang und herausfordernd gestalten.